28.7.26 Theory of Knowledge – das Fach und die Exhibition
Theory of Knowledge, kurz TOK, ist eines der Fächer des International Baccalaureate. Es ist kein Fach im herkömmlichen Sinn. Es gibt keinen Stoff, den man auswendig lernen kann und auch keine Formelsammlungen oder Skripte zum Lernen. Stattdessen geht es um eine einzige, unbequeme Frage – Woher wissen wir eigentlich, was wir zu glauben?
Im Unterricht untersuchen die Schülerinnen und Schüler, wie Wissen in verschiedenen Bereichen entsteht: in den Naturwissenschaften, der Mathematik, der Geschichte, der Kunst und den Humanwissenschaften. Dabei zeigt sich schnell, dass jeder dieser Bereiche eigene Maßstäbe hat. Ein historischer Beweis funktioniert anders als ein mathematischer; ein Kunstwerk kann etwas vermitteln, was sich einer Messung entzieht. Ebenso wird gefragt, welche Rolle Wahrnehmung, Sprache, Emotion und Intuition dabei spielen und wo sie uns in die Irre führen.
TOK verbindet damit die einzelnen Fächer miteinander. Wer im Biologieunterricht ein Experiment auswertet und im Geschichtsunterricht Quellen interpretiert, erkennt im TOK-Kurs, dass beides Formen der Erkenntnisgewinnung sind, mit jeweils eigenen Stärken und Schwächen. Genau dieses Bewusstsein für die Grenzen des eigenen Wissens ist das eigentliche Ziel. Was bleibt, ist weniger ein Wissensbestand als eine Haltung: kritisch nachzufragen, Behauptungen auf ihre Grundlage hin zu prüfen und auszuhalten, dass gute Antworten oft neue Fragen erzeugen. Eine Fähigkeit, die weit über die Schulzeit hinaus trägt.
Am Dienstag, den 21.7.26 fand die TOK Ausstellung statt, die zusammen mit einem TOK-Essay zu einer vorgegebenen Fragestellung Antworten sucht. Dazu werden drei Objekte selbst ausgesucht und anhand von diesen Objekten wird versucht die Frage bestmöglich zu beantworten und zu vergleichen. Neben den Schülerinnen und Schülern des Kurses waren auch zahlreiche Lehrkräfte und Schüler und Schülerinnen aus der 10. und 11. Jahrgangsstufe anwesend, die sich die ausgestellten Arbeiten ansahen und ins Gespräch kamen. Der IB Kurs stellte drei selbst gewählte Objekte vor, dabei waren mathematische Objekte, historische und Alltagsgegenstände dabei) und erklärte, welche Wissensfrage sich daran zeigt. Die Präsentationen waren durchweg gut vorbereitet und überzeugend vorgetragen. Man merkte, wie viel Gedankenarbeit in der Auswahl der Objekte steckte und interessante Gedankengänge dahinter steckten. Besonders spannend war der Austausch zwischen den einzelnen Beiträgen: Immer wieder ergaben sich unerwartete Zusammenhänge zwischen ganz unterschiedlichen Objekten, und in den Nachfragen von Lehrkräften und Mitschülern kamen Aspekte zur Sprache, an die zuvor niemand gedacht hatte. Genau darin liegt der Reiz von TOK – aus einem Alltagsgegenstand wird eine Frage, die weiterführt.
Marie-Sophie Rottenkolber, Q12 IB